Wissenswertes zur Dämmung von PC Gehäusen zur Geräuschreduktion

Nachdem wir uns nun die Komponenten eines PCs einzeln betrachtet und für jede davon Hinweise gegeben haben, wie man den Lärm in den Griff bekommt, die jede individuell von sich gibt, betrachten wir nun noch die Sache, die das Potential hat, den Geräuschausstoß des Gesamtsystems zu beeinflussen: das Gehäuse. Wenn ihr bereits einen PC besitzt und dort nach Möglichkeiten sucht, das Gehäuse so zu modifizieren, dass es insgesamt weniger Lärm nach außen lässt, so sind die Stellschrauben dafür leider sehr begrenzt. Zumindest unter der Annahme, dass ihr das Gehäuse bereits jetzt im geschlossenen Zustand betrieben habt. Insgesamt gilt hier natürlich: überall wo Luft reinkommt, da kommt auch der Schall raus. Und wo überall Schall entsteht, das haben wir ja weiter oben bereits ausführlich beleuchtet.

Die Hauptaufgabe eines PC-Gehäuses ist es ja, die gesamten Komponenten eures PC aufzunehmen und mit den eingebauten Gehäuselüftern (bzw. denen am Radiator einer Wasserkühlung) einen gezielten Luftstrom zu erzeugen und die teure Hardware vor dem Hitzetod zu bewahren. Gezielt bedeutet hierbei fast immer: vorn/unten rein, hinten bzw. oben raus. Dass dies auch wirklich in der Weise funktioniert, dafür sorgt man mit der Ausrichtung der Lüfter. Falls ihr euch nicht sicher seid, in welche Richtung diese die Luft bewegen, dann findet sich auf deren Gehäuse meist auch ein Pfeil, der die Richtung des Luftstroms anzeigt.

Ein großer Irrtum ist es, anzunehmen, dass man einen PC am leisesten bekommt, wenn man die Vorderseite verschließt und die Lüfter an Rück- bzw. Oberseite — also in möglichst großer Entfernung zum Nutzer — einfach nur die 'heiße Luft' aus dem Gehäuse ziehen zu lassen. Aber natürlich können diese nur das aus dem Gehäuse befördern, was irgendwo reinkommt. Und das Verschließen der Vorderseite sorgt nur dafür, dass die Lüfter mit aller Anstrengung (lies: hoher Drehzahl/lautem Geräusch) die Luft aus allen Ritzen ziehen müssen. Also merken wir uns: wenn wir heiße Abluft aus dem Gehäuse ziehen wollen, dann müssen wir 'am anderen Ende' auch dafür sorgen, dass kalte Umgebungsluft in das Gehäuse gelangt und an allen zu kühlenden Komponenten vorbeiströmen kann. Daher ist ein relativ offenes Gehäuse mit gutem Luftstrom bei gleicher Kühlleistung auch meist deutlich leiser sein als eines, was zwar gut gedämmt ist, aber bei dem die Lüfter mit hoher Drehzahl laufen müssen, um die Abwärme überhaupt aus dem Gehäuse zu befördern.

Vernachlässigen sollte man aber die Dämmung des Gehäuses selbst aber trotzdem nicht. Die bei preiswerten Gehäusen häufig verwendeten Seitenwände aus dünnem Blech stellen selbst Membranen dar, die, in Schwingung versetzt, das Gehäuse in einen Lautsprecher verwandeln. Außerdem liegen die Eigenfrequenzen von ungedämmten Gehäuseblechen in einem Bereichen, in dem diese von den im Innenen entstehenden Schwingungen angeregt werden. Daher sollte man auf möglichst dickes Material für die Seitenverkleidungen achten oder Gehäuse mit Dämmmatten auskleiden, wobei die leichten, preiswerten Dämmungen erstaunlich wenig effektiv sind, denn sie 'schlucken' zwar etwas Schall von dem im inneren entstehenden Schall, aber ändern gleichzeitg wenig bis nichts am Problem des bei zu dünnen Seitenwänden vorhandenen Membraneffekts. D.h. selbst damit werden die ins Gehäuse (meist von den Festplatten) eingeleiteten Schwingungen weiterhin nach außen abgestrahlt. Wenn eine Dämmung effektiv sein soll, dann sollte man am besten auf Bitumenmatten zurückgreifen. Diese sind schwer und können die Eigenfrequenzen des Gehäuses so stark verändern (zu niedrigen Frequenzen verschieben), dass diese nicht mehr so stark vom Spektrum der eingeleiten Schwingungen angeregt werden. Eine deutlich bessere und wichtigere Maßnahme ist aber auch hier in jedem Fall, die Sache an der Quelle zu beseitigen und die Anregung durch die verbauten Festplatten zu verhindern, indem man deren Befestigung mit dem Gehäuse anpasst. Womit und was es dabei zu beachten gilt, das habe ich ja weiter oben im Abschnitt zu den Festplatten bereits beschrieben.

Weiterhin gilt aber beim Gehäuse auch das, was bereits bei den Punkten zu Wasserkühlungen bzw. den (Gehäuse)-Lüftern weiter oben bereits besprochen wurde: ideal sind möglichst große Gehäuselüfter, die den benötigten Luftstrom bei möglichst niedriger Drehzahl (lies: niedrigem Lüftergeräusch) gewährleisten können.

Eine Randbemerkung noch zu den immer mehr in Mode kommenden Gehäusen, bei denen die Grafikkarte senkrecht vor eine durchsichtigen Seitenwand verbaut wird, um den (RGB)-Lüftern bei der Arbeit zusehen zu können. Von dieser Art der Montage würde ich derzeit bei den meisten Gehäusen abraten. Der Grund ist der, dass bei dieser Art des Verbaus die Grafikkarten sehr häufig mit extrem wenig Abstand zur Gehäuse-Seitenwand betrieben werden und damit die Kühlung der Grafikkarte leidet. Und was macht diese, wenn man ihr die Luft zum atmen (kühlen) nimmt: die erhöht die Drehzahl (lies: das Lüftergeräusch), um trotzdem noch einen ausreichenden Luftstrom zur Kühlung zu gewährleisten. Aus akustischer Sicht ist solch ein Verbau also bis auf wenige Gehäuse, die wirklich viel Platz zwischen Grafikkarte und Seitenwand lassen, nicht zu empfehlen.

Veröffentlicht am: 16.06.2021

Inhaltsverzeichnis

  1. Allgemeines — warum ist mein PC laut?
  2. Woher kommt denn nun der Krach in meinem PC?
    1. Festplatten
    2. Grafikkarten
    3. Lüfter (z.B. CPU-Lüfter und Gehäuselüfter)
    4. Wasserkühlungen
    5. Netzteil
    6. Spannungswandler — Spulenfiepen
  3. Geräuschreduktion durch gedämmte Gehäuse
  4. Verlagerung des PCs an einen anderen Ort
Author: Udo Rietschel

Autor: Udo Rietschel

Udo ist einer der beiden Gründer der Argotronic UG (haftungsbeschränkt). Er schreibt Software, seit er seinen ersten Computer in die Hände bekam (einen ZX Spectrum 48k im Jahr 1988, als er noch in der DDR lebte; ein Land, das heute nicht mehr existiert - genau wie sein ZX Spectrum).
Als Software-Ingenieur entwickelt er Software für autonome Fahrzeuge, sowie Argus Monitor, die — seiner (voreingenommenen) Meinung nach — derzeit beste Software zur Lüftersteurung unter Windows.